Temporäre Layoffs: Kurze Unter­brechungen, lang­fristige Folgen

25. Februar 2026

Temporäre Layoffs – also kurze Unterbrechungen von Beschäftigungsverhältnissen mit späterer Wiedereinstellung – sind in Österreich weit verbreitet. In der öffentlichen Debatte wird diese Praxis oft als „Zwischenparken beim AMS“ bezeichnet. Betriebe nutzen sie, um flexibel auf Nachfrageschwankungen zu reagieren. Eine neue WIFO-Studie zeigt jedoch: Selbst kurze, nicht-saisonale Unterbrechungen bleiben nicht folgenlos. Sie führen langfristig zu instabileren Erwerbsverläufen, Einkommensverlusten und erheblichen Zusatzkosten für das Sozialsystem.

Temporäre Layoffs: weit verbreitet und systemrelevant

In der Studie werden temporäre Layoffs als Beendigung eines Beschäftigungsverhältnisses mit späterer Wiedereinstellung beim selben Betrieb nach einer Phase registrierter Arbeitslosigkeit definiert. Genau diese Konstellation ist arbeitsmarktpolitisch besonders relevant, da die Betroffenen in der Zwischenzeit tatsächlich arbeitslos gemeldet sind und Leistungen beziehen.

Temporäre Layoffs sind in Österreich keine Randerscheinung: Rund 170.000 Personen sind jährlich betroffen, mehr als 10 Prozent aller Beschäftigungsaufnahmen sind Wiedereinstellungen nach kurzer Arbeitslosigkeit. Etwa ein Viertel aller Betriebe nutzt dieses Instrument zumindest einmal pro Jahr. Zwar entfällt rund die Hälfte der Fälle auf klassische Saisonbranchen wie Bau und Tourismus, temporäre Layoffs sind jedoch keineswegs auf Saisonarbeit beschränkt. Sie werden in vielen Wirtschaftsbereichen eingesetzt, um kurzfristige Auftragsschwankungen auszugleichen (Eppel & Mahringer, 2025).

Warum Betriebe temporäre Layoffs nutzen

Für Betriebe bieten temporäre Layoffs Flexibilität: In Phasen geringerer Auslastung sparen sie Personalkosten, und wenn die Nachfrage wieder anzieht, können sie auf eingearbeitete Arbeitskräfte zurückgreifen. Während der Unterbrechung übernimmt die Arbeitslosenversicherung einen Teil der Einkommenssicherung durch Arbeitslosengeld.

Diese Flexibilität hat jedoch eine Kehrseite. Ein Teil der betrieblichen Anpassungskosten wird dabei auf Beschäftigte und das Sozialsystem verlagert. Rund ein Prozentpunkt der österreichischen Arbeitslosenquote ist auf temporäre Layoffs zurückzuführen. Die damit verbundenen Mehrkosten für die Arbeitslosenversicherung – inklusive übernommener Sozialversicherungsbeiträge – belaufen sich auf 600 bis 700 Millionen Euro pro Jahr.

Hinzu kommt eine Umverteilung zwischen Betrieben: Unternehmen mit stabiler Beschäftigung finanzieren über pauschale Beiträge zur Arbeitslosenversicherung jene mit, die Arbeitsverhältnisse häufig unterbrechen.

Langfristige Folgen kurzer, nicht-saisonaler Unterbrechungen

In unserer aktuellen WIFO-Studie (Eppel et al., 2026) untersuchen wir kurze Beschäftigungsunterbrechungen von bis zu zwei Monaten. Im Fokus stehen Beschäftigungsaufnahmen aus Arbeitslosigkeit, bei denen das Arbeitsverhältnis im ersten Jahr kurz unterbrochen und anschließend beim selben Betrieb wieder aufgenommen wird. Klassische Saisonbranchen wie Bau und Tourismus werden dabei bewusst ausgeschlossen.

Verglichen werden Beschäftigte mit einer solchen Unterbrechung mit sehr ähnlichen Personen, deren Beschäftigung nach einer Aufnahme aus Arbeitslosigkeit im ersten Jahr durchgehend bestanden hat. Aus diesem Vergleich werden die langfristigen Effekte einer kurzen Unterbrechung im ersten Beschäftigungsjahr ermittelt.

Diese Effekte werden erst ab dem zweiten Jahr gemessen, um nicht die unmittelbare Unterbrechung selbst abzubilden, sondern ihre dauerhaften Folgen im weiteren Erwerbsverlauf zu analysieren.

Mehr Erwerbsinstabilität über viele Jahre

Die Ergebnisse sind eindeutig: Temporäre Layoffs haben langfristige Folgen für die Betroffenen. Über einen Zeitraum von zehn Jahren – ohne das Jahr der Unterbrechung – sind sie im Durchschnitt rund dreieinhalb Monate weniger beschäftigt und etwa drei Monate länger arbeitslos als vergleichbare Personen ohne Unterbrechung ihres Beschäftigungsverhältnisses im ersten Jahr. Diese Unterschiede entstehen nicht abrupt, sondern bauen sich schrittweise auf. Die temporären Layoffs erhöhen das Risiko weiterer Unterbrechungen und führen zu einem langfristig weniger stabilen Beschäftigungsmuster.


© A&W Blog


Einkommensverluste durch fehlende Beschäftigungszeit

Die höhere Erwerbsinstabilität schlägt sich auch im Einkommen nieder. Über den 10-Jahres-Zeitraum verlieren Betroffene im Durchschnitt rund 6.100 Euro an Bruttoeinkommen. Das monatliche Einkommen während Beschäftigung ist hingegen nur leicht niedriger – im Schnitt etwa 35 Euro pro Monat, im zehnten Jahr rund 66 Euro. Der Hauptgrund für die Einkommensverluste ist daher nicht ein sinkender Lohnsatz, sondern – wie sich in der Analyse herausstellt – wiederkehrende Beschäftigungslücken auch in der weiteren Karriere: Es sind die fehlenden Arbeitstage, die sich über die Jahre summieren.

Der – verhältnismäßig zur durchgehend beschäftigten Vergleichsgruppe – geringere Monatsverdienst liefert zudem keine Hinweise darauf, dass Beschäftigte durch „kompensierende Lohnaufschläge“ für das Risiko der Unterbrechung oder für ihre Einkommensverluste entschädigt würden. Es zeigen sich keine systematisch höheren Löhne nach der Wiedereinstellung, die einen Anreiz zum Warten auf die Rückkehr bieten würden.

Kosten für das Sozialsystem

Die Einkommensverluste gehen mit mehr Leistungsbezügen aus der Arbeitslosenversicherung einher, die die finanziellen Einbußen jedoch nur teilweise ausgleichen. Im Durchschnitt fallen über einen Zeitraum von zehn Jahren rund 2.900 Euro mehr an Leistungen pro betroffener Person an. Gleichzeitig sinken die öffentlichen Einnahmen: Pro Person gehen langfristig rund 1.900 Euro an Lohnsteuer und etwa 2.400 Euro an Sozialversicherungsbeiträgen verloren. Temporäre Layoffs belasten das Sozialsystem damit nicht nur kurzfristig während der Unterbrechung, sondern dauerhaft.

Was folgt daraus? Institutionelle Anreize neu ausrichten

Temporäre Layoffs sind nicht nur Ausdruck betrieblicher Notwendigkeiten, sondern auch Ergebnis institutioneller Rahmenbedingungen. Geringe Kosten für die Beendigung von Beschäftigung, pauschale Arbeitgeberbeiträge zur Arbeitslosenversicherung und der teilweise Lohnersatz durch die Arbeitslosenversicherung während der Unterbrechung begünstigen den Einsatz kurzfristiger Unterbrechungen.

Reformen der Arbeitslosenversicherung könnten die betriebliche Flexibilität erhalten, zugleich aber Anreize für kontinuierliche Beschäftigung stärken und Kosten stärker dort verorten, wo sie entstehen. Damit ließen sich vermeidbare Unterbrechungen und Arbeitslosigkeit reduzieren – und die volkswirtschaftliche Effizienz erhöhen.

„Experience Rating“: international erprobter Ansatz

Ein international erprobter Ansatz ist das „Experience Rating“ in der Arbeitslosenversicherung, bei dem Arbeitgeberbeiträge stärker an das tatsächliche Trennungs- und Unterbrechungsverhalten gekoppelt werden. Empirische Evidenz aus den USA zeigt, dass solche Systeme temporäre Layoffs reduzieren, die Arbeitslosigkeit senken und die Kosten der Arbeitslosenversicherung verringern (Eppel & Mahringer, 2020).

„Ein-Monats-Experience-Rating“: ein pragmatisches Reformmodell

Ein besonders einfacher und praktikabler Ansatz zur stärkeren Kosteninternalisierung ist ein sogenanntes „Ein-Monats-Experience-Rating“ (Eppel & Mahringer, 2026). Dabei würden Betriebe für einen klar begrenzten Zeitraum einen Teil jener Kosten tragen, die durch die Beendigung eines Beschäftigungsverhältnisses entstehen.

Konkret könnte das bedeuten: Beendet ein Betrieb ein Arbeitsverhältnis, übernimmt er für die ersten vier Wochen der anschließenden Arbeitslosigkeit das Arbeitslosengeld der betroffenen Person – außer bei Selbstkündigung oder gerechtfertigter Entlassung. Diese Regelung wäre weitgehend analog zur bestehenden vierwöchigen Sperrfrist des Arbeitslosengeldes nach Selbstkündigung aufseiten der Arbeitslosen.

Ein solches Modell würde eine gezielte Anreizwirkung entfalten. Jede Beendigung hätte eine unmittelbare, aber klar begrenzte finanzielle Konsequenz. Gerade in Betrieben mit häufigen Unterbrechungen würden zusätzliche Layoffs damit stärker abgewogen. Das Modell wäre administrativ einfach und ließe sich nahtlos in die bestehende Struktur der Arbeitslosenversicherung integrieren. Der Versicherungsgedanke bliebe erhalten, während die Kosten kurzfristiger Unterbrechungen stärker dort verortet würden, wo sie entstehen.

Entlastungen für Betriebe möglich

Wichtig ist: Ein Ein-Monats-Experience-Rating kann so ausgestaltet werden, dass es für die Betriebe insgesamt keine Mehrbelastung darstellt. Im Gegenteil: Effizienzgewinne machen sogar Entlastungen möglich:

  • Erstens könnten Betriebe für die anfängliche Übernahme des Arbeitslosengeldes kompensiert werden, etwa durch eine Senkung der Arbeitgeberbeiträge zur Arbeitslosenversicherung sowie durch einen gezielten Einstellungsbonus für die erstmalige Aufnahme vormals arbeitsloser Personen.
  • Zweitens würden – wenn das Anreizsystem wirkt und temporäre Layoffs seltener eingesetzt werden – Arbeitslosigkeit und Ausgaben der Arbeitslosenversicherung sinken. Dadurch entstünden zusätzliche finanzielle Spielräume, die für weitere Beitragssenkungen, eine Verbesserung der Leistungen für Arbeitslose oder eine Entlastung des Budgets genutzt werden könnten.

Damit böte ein Experience-Rating eine seltene Gelegenheit, Betriebe trotz knapper öffentlicher Budgets zu entlasten. Unternehmen, die weiterhin häufig unterbrechen, müssten einen größeren Teil der von ihnen verursachten Kosten selbst tragen. Im Durchschnitt würden die Betriebe jedoch entlastet, insbesondere jene mit stabiler Beschäftigung.

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