Österreich spürt die Klimakrise besonders stark: Die Temperaturen steigen doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt, Dürren und Starkregen nehmen zu. Das wirkt sich immer stärker auf unsere Wasserversorgung als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge aus. Sind wir ausreichend vorbereitet, um Nutzungskonflikten vorzubeugen? Warum die Politik jetzt gefordert ist.
Österreichs Wasserhaushalt verändert sich rasant
Die Erwärmung verläuft in Österreich doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. Seit 1900 ist die Durchschnittstemperatur um 3,1 °C gestiegen. Dies verändert auch den Wasserhaushalt tiefgreifend. Viele der Grundwässer sind nach einem wiederholt trockenen Winter auf einem zu niedrigen Niveau. Österreichweit gab es im vergangenen Winter etwa 22 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt.
Gleichzeitig verändert die Klimakrise auch unser Wetter. Beim Niederschlag schlägt das Pendel immer stärker in die Extreme aus. Einerseits gibt es häufigere und intensivere Starkregenereignisse, die zu Überschwemmungen führen. Andererseits werden Phasen von akuter Trockenheit zwischen den Regenfällen sowohl häufiger als auch intensiver. Das zeigt auch der Zweite Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel ein weiteres Mal auf. Selbst wenn wir es noch schaffen, die globale Erhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen, würden 10-jährige Dürren in Österreich um viermal häufiger und zugleich auch intensiver auftreten: Dürren, die früher alle zehn Jahre aufgetreten sind, gibt es dann alle vier Jahre. Steigt die Erderhitzung an, werden diese Dürren noch häufiger und intensiver. Insgesamt könnten in Österreich die Grundwasserressourcen bis 2050 um etwa 23 Prozent schwinden, während der Wasserbedarf um bis zu 15 Prozent steigt. Neben der Wasserentnahme sinkt die Grundwasserneubildung massiv. Durch die Erderhitzung verdunstet mehr Wasser, während im Winter immer weniger Schnee als Speicher liegen bleibt. Zusätzlich verhindern betonierte Flächen das Versickern und leiten Regen direkt in die Kanalisation. All das raubt dem Boden und dem Grundwasser die Chance, seine Reserven für Mensch und Natur wieder aufzufüllen.
Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter verstärken. Die Zeiten, in denen es in Österreich praktisch immer und überall verlässlich ausreichend Wasser für praktisch alle denkbaren Aktivitäten gab, sind vorbei. Darauf ist Österreich derzeit zu wenig vorbereitet. Das BMLUK beauftragte daher gemeinsam mit den Bundesländern die Studie „Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen“, deren Ergebnisse im Herbst 2026 zu erwarten sind. Der erste Zwischenbericht zeigt bereits eindeutig, dass sich der saisonale Niederschlag stärker verändert als bislang angenommen: Die Sommer werden trockener und die Winter feuchter. Zugleich wird der Niederschlag intensiver, damit steigt das Risiko für lokale Überschwemmungen – insgesamt gibt es aber nicht mehr Wasser.
Verteilungskampf ums Wasser: Jetzt handeln
Wenn Wasserversorger, Industrie und Landwirtschaft aus demselben Grundwasserkörper schöpfen – wie in Österreich oftmals der Fall –, wird es im Krisenfall eng. Daher braucht es klare Antworten auf die Frage: Wer darf im Ernstfall wie viel Wasser nutzen? Dafür fehlen hierzulande schnell umsetzbare Regeln. Der vom BMLUK vorgelegte Trinkwassersicherungsplan versucht Antworten auf diese Fragen zu geben. Allerdings greift dieser viel zu kurz, weil Industrie und Landwirtschaft in der Betrachtung fehlen.
Im Falle von Wassermangel entscheiden die Bürgermeister:innen vor Ort, wer wie viel Wasser nutzen darf. Wenn Landwirtschaft oder Industrie das Wasser zugunsten der Trinkwasserversorgung abgedreht wird, tragen Bürgermeister:innen und Gemeinden die Haftung für Schäden in der Landwirtschaft und Industrie. Das schafft viele Unsicherheiten. Daher brauchen Gemeinden und Länder mehr Unterstützung und klare gesetzliche Vorgaben: Wer muss in welchem Krisenszenario wie viel Wasser sparen? Klar muss auch sein, dass Gemeinden bei Wasser-Sparvorgaben für Industrie und Landwirtschaft keinerlei Entschädigung zu leisten haben. Derzeit greift der Bund ein, wenn mehr als ein Bundesland von der Wasserkrise betroffen ist. Verbindliche Wasser-Sparvorgaben in Krisenzeiten für Landwirtschaft und Industrie würden die Kommunen entlasten und teure Verteilungskonflikte von vornherein verhindern.
Ein Problem ist auch, dass die Bewilligungen für Wasserentnahmen derzeit für zu lange Zeiträume möglich sind. In der Landwirtschaft ist es seit 2018 gesetzlich möglich, Wasserentnahmen für einen Zeitraum von 25 Jahren zu erteilen. Dies wird in der Praxis eifrig genützt. In Zeiten von Klimakrise und geringerem Wasserdargebot ist dies eine Entwicklung in die falsche Richtung. Die kritischen Stimmen seitens Arbeitnehmer:innen- und Umweltbewegung zu dieser Gesetzesänderung wurden leider in den Wind geschlagen. Auch der österreichische Rechnungshof kritisiert diese lange Bewilligungsdauer – hier gibt es also raschen Handlungsbedarf seitens der Politik.
Weniger Wasser: soziale, ökologische und wirtschaftliche Herausforderungen
Wasser ist keine Handelsware, sondern ein öffentliches Gut und ein Menschenrecht. An diesem Grundsatz darf nicht gerüttelt werden. Unsere gemeinnützigen Wasserversorger garantieren eine sichere Versorgung für alle – abseits von Profitinteressen. Um dieses hohe Gut zu bewahren, müssen wir die öffentliche Hand stärken und vor Privatisierungsdruck schützen.
Das bedeutet auch, dass es auf europäischer Ebene keine weiteren Liberalisierungsverpflichtungen geben darf und die Trinkwasserversorgung weiterhin von der Verpflichtung für EU-weite Ausschreibungen (Konzessionsrichtlinien) ausgenommen bleiben muss, damit die Trinkwasserversorgung in öffentlicher und kommunaler Hand bleibt.
Ein weiteres Problem sowohl für uns Menschen als auch für viele Tiere und Pflanzen: Wird Wasser knapper, dann steigt auch die Schadstoffkonzentration. Gelangen zum Beispiel Pestizide oder andere giftige Chemikalien in einen Fluss, dann werden diese mit Wasser verdünnt. Wenn der Wasserstand sinkt, werden Schadstoffe wie Pestizide weniger verdünnt und die Konzentration dieser Stoffe steigt an. Gleichzeitig erwärmen sich Flüsse und Seen schneller, was den Sauerstoffgehalt im Gewässer senkt. All dies verschlechtert die Wasserqualität und schädigt die Wasserorganismen wie Fische und Amphibien.
Weniger Wasser wirkt sich auch negativ auf die Stromerzeugung in Österreich aus. Mit einem Anteil von über 60 Prozent ist Wasserkraft eine ihrer wesentlichen Säulen. So beklagt der Verbund, dass in Oberösterreich seit Aufzeichnungen erstellt werden noch nie so wenig Strom aus Wasserkraft erzeugt wurde wie diesen Winter. Bereits im September 2025 verwies der Verbund auf geringere Ausbeute der Wasserkraft aufgrund des trockenen Sommers.
Fehlende Daten, wie viel Wasser Industrie und Landwirtschaft wirklich verbrauchen
Zukünftig werden Eingriffe in bestehende Wasserrechte notwendig sein, wenn weniger Wasser verfügbar ist. Die jeweilige Behörde entscheidet dann, wer wie viel Wasser bekommt. Das geht aber natürlich nicht von heute auf morgen, sondern braucht Zeit und vor allem auch Daten. Hier liegt aber der Haken: Für Industrie und Landwirtschaft gibt es keine konkreten Daten darüber, wie viel Wasser sie tatsächlich verbrauchen. Daher kann sich die Wissenschaft bislang nur auf Schätzungen über den Wasserverbrauch berufen. Der österreichische Rechnungshof empfiehlt seit Anfang 2024 ein digitales Melderegister für tatsächliche Wasserentnahmen.
Fünf Forderungen an die Politik
Die Wassersituation in Österreich ist in Zeiten der Klimakrise also ernster als viele denken. Gleichzeitig gibt es auch sehr viel, was wir in Österreich noch tun können, um uns an die neue Wasser-Realität anzupassen. Etwa kann mit der Wiederherstellung von Ökosystemen wie Mooren und Feuchtgebieten auch mehr Wasser in den Regionen gehalten werden. Doch Wasser stoppt nicht an Staatsgrenzen. In Europa leidet bereits ein Drittel der Regionen an Wassermangel.
Deshalb ist die Europäische Wasserstrategie ein wichtiger Pfeiler, um gemeinsam die Wasserkrise in den Griff zu bekommen: Gemeinsame Investitionen, Datenaustausch und eine enge Koordinierung über Grenzen hinweg sind der einzige Weg. Nur wenn wir die Ressource Wasser europäisch denken, können wir die Krise gemeinsam meistern.
Wenn wir als Gesellschaft jetzt klug handeln und die Weichen richtig stellen, dann werden wir die Herausforderungen stemmen. Keinesfalls darf die Politik jetzt jahrelang untätig zusehen und erst handeln, wenn es bereits zu handfesten Nutzungskonflikten kommt.