Der 2. AK Jugend­monitor zeigt: Zuver­sicht ist eine Klassen­frage

14. August 2026

Zwei Drittel der jungen Menschen in Österreich blicken optimistisch in ihre persönliche Zukunft, diese Zuversicht ist jedoch ungleich verteilt. Der 2. AK Jugendmonitor (2026), für den österreichweit 1.506 junge Menschen interviewt wurden, analysiert erstmals die klassenspezifischen Unterschiede bei der Lebenszufriedenheit und den Zukunftserwartungen. Nicht Geschlecht, Wohnort oder Migrationsbiografie bestimmen, ob der Blick in die Zukunft zuversichtlich oder sorgenvoll ist. Es sind die ökonomischen Ressourcen.

AK Jugendmonitor: Lebenslagen junger Menschen im Fokus 

Der AK Jugendmonitor untersucht nach 2024 bereits zum zweiten Mal die Lebenssituation der 16- bis 29-Jährigen in Österreich. Datengrundlage ist eine repräsentative Befragung von 1.506 jungen Menschen. Im Mittelpunkt der Studie, die von FORESIGHT durchgeführt wurde, steht die Frage, wie unterschiedliche ökonomische Voraussetzungen die Lebensrealitäten, Haltungen und Erwartungen junger Menschen prägen. Indem der Jugendmonitor die heterogenen ökonomischen Lebenslagen junger Menschen in den Fokus rückt, bricht er mit Vorstellungen einer einheitlichen Generation (wie „Generation Z“ oder „Generation Krise“), wie sie medial oft dargestellt werden. Zwar wächst jede Generation unter vergleichbaren Umständen auf, die ungleich verteilten Ressourcen prägen aber die konkreten Teilhabechancen und persönlichen Lebensrealitäten viel stärker als die kulturellen, generationalen Gemeinsamkeiten. Class matters – und wie: In der Studie wurden nach 2024 zum zweiten Mal die Folgen der Teuerung auf junge Lebenswelten erforscht. Diese verfestigen sich, die Lebenswelten driften zunehmend auseinander. Einen zweiten Schwerpunkt legt der AK Jugendmonitor – erstmals in dieser qualitativen Tiefe für Österreich – auf die Analyse der Zukunftserwartungen junger Menschen: Sowohl die Lebenszufriedenheit als auch die Erwartungen an die Zukunft sind unter 16- bis 29-Jährigen in Österreich massiv ungleich verteilt. Auch wenn dies auf den ersten Blick nicht überrascht, wurde es jedoch in dieser Form noch nie untersucht. Die Erkenntnisse machen deutlich: Konkrete politische Maßnahmen heute können durch gerechtere soziale Bedingungen auch Zuversicht gerecht verteilen.

Ungleicher Blick in die Zukunft: Zuversicht als Klassenfrage 

In ihren Zukunftserwartungen unterscheiden junge Menschen klar zwischen persönlicher Zukunft und der Zukunft Österreichs. Während die Mehrheit ihrer eigenen Zukunft eher optimistisch entgegensieht (64%), überwiegt mit Blick auf das Land der Pessimismus (53%). Deutlich wird in der Studie: Nicht das Geschlecht, eine etwaige Migrationsbiografie oder der Wohnort – ob Stadt oder Land – bestimmen über Lebenszufriedenheit und Zukunftserwartungen der jungen Menschen, sondern einzig und allein die Klassenlage.

Je geringer die finanziellen und sozialen Ressourcen, desto pessimistischer sind die Zukunftserwartungen: Während die finanziell gut abgesicherte Gruppe (obere 30 %) mehrheitlich optimistisch in ihre persönliche Zukunft (82%) bzw. die Zukunft Österreichs (56%) blickt, überwiegt der Pessimismus unter den finanziell schlecht Abgesicherten (untere 30%): Nur 38% in dieser Gruppe blicken optimistisch in ihre persönliche Zukunft, hinsichtlich Österreichs Zukunft tut dies überhaupt nur jede vierte Person. Zuversicht und Optimismus hängen daher zuallererst an den ökonomischen Ressourcen, die jemand hat, mitnimmt oder dank einer Erbschaft erwartet. 

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Zuversicht braucht gute Gründe 

Der 2. AK Jugendmonitor hat die jungen Menschen auch offen – d. h. ohne Vorgabe von Antwortmöglichkeiten – nach den Gründen für ihre zuversichtlichen oder sorgenvollen Erwartungen gefragt. Diese Antworten wurden codiert, geclustert und zeigen deutlich, welche sozialen Bedingungen und Voraussetzungen Optimismus wie auch Pessimismus zugrunde liegen.

Die drei Hauptgründe für Zuversicht für die persönliche Zukunft sind familiäre Ressourcen, sozialer Rückhalt und berufliche Perspektiven: Besonders in den „oberen 30%“ wird die Erfahrung von familiärer, ökonomischer und kultureller Unterstützung genannt („Menschen an meiner Seite, auf die ich mich verlassen kann“). Für alle drei Gruppen – mehr aber bei den „mittleren 40%“ und besonders stark bei den „unteren 30%“ – spielen Berufsperspektiven eine wichtige Rolle für die optimistische Sicht („Habe so ein tolles Praktikum bekommen“; „Ich darf ein Auslandssemester machen“). Der pessimistische Blick in die persönliche Zukunft wird neben finanzieller Unsicherheit („… dass immer weniger übrig bleibt“) vor allem von eingeschränkten Aussichten auf stabile Erwerbsarbeit beeinflusst („Ich bekomme keinen Ausbildungsplatz“). 

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Zuversicht für die Zukunft Österreichs wird von den Befragten mit strukturellen Voraussetzungen begründet: Im Zentrum stehen stabile Rahmenbedingungen, wie etwa hohe Lebensqualität, gut ausgebaute Infrastruktur, sozialstaatliche Absicherungen und politische Stabilität („Man ist auch abgesichert, wenn etwas passiert“; „Österreich ist ein Rechtsstaat“). Auch sichtbare positive Entwicklungen wie die Verbesserung der Infrastruktur stärken Zukunftsoptimismus, genauso wie Bildungswege und Erwerbsmöglichkeiten („Es gibt viele Wege, was zu lernen“). Überdies wächst eine optimistische Sicht auf die Zukunft, wenn Menschen füreinander Verantwortung übernehmen und sich einbringen.
Umgekehrt verstärkt die Erfahrung brüchiger ökonomischer, sozialer und gesellschaftlicher Verhältnisse einen pessimistischen Blick auf die Zukunft des Landes. Angegeben werden in diesem Kontext steigende Lebenshaltungskosten („alles wird teurer“), die wachsende Kluft in der Verteilung von Wohlstand („einige werden immer reicher, viele haben immer weniger“), sich verschlechternde Arbeitsmarktchancen und ein schwindendes Gemeinschaftsgefühl („Viele ziehen ihr eigenes Ding durch, ohne auf andere zu schauen“). Zuversicht – so Martina Zandonella, die Autorin des AK Jugendmonitors – erweise sich damit „weniger als individuelle Haltung, denn als sozial strukturiertes Deutungsmuster“

Sich zusammentun: Zukunftsgestaltung 

Auf die Frage, wer ihre Zukunft positiv gestalten könne, verweisen die jungen Menschen im 2. AK Jugendmonitor – neben Arbeiterkammer und Gewerkschaft – zuallererst auf sich selbst. So brüchig ihr Vertrauen in die Politik im Allgemeinen weiterhin ist, so deutlich zeigt sich ein Vertrauen in die kollektive Selbstwirksamkeit, wenn sich junge Menschen „zusammentun“. Zukunftsgestaltung ist demokratische Hand- und Denkarbeit. Junge Menschen trauen sich diese nicht nur zu, sie fordern sie auch ein: Knapp drei Viertel der Befragten wünschen sich mehr Beteiligungsmöglichkeiten, quer über alle sozialen Klassen hinweg. Die Lücken und Leerstellen in der politischen Repräsentation wollen junge Menschen selbst füllen. 

Mutig in die neuen Zeiten: Strukturen der Zuversicht stärken 

Der 2. AK Jugendmonitor liefert nicht nur der Politik klare Handlungsaufträge: Wer den grassierenden Politfrust stoppen und den Zulauf zu demokratiefeindlichen Kräften aufhalten will, muss die Zuversicht der Jungen stärken. Das gelingt nur, wenn auch in Zeiten klammer öffentlicher Budgets soziale Ungleichheit abgebaut und das finanzielle Fundamentder Jungen saniert wird. Junge Menschen brauchen eine solide, stabile Basis, damit sie sich etwas aufbauen können und ihre Ziele verwirklichen können. Eine lebenswerte Zukunft beginnt in einer Gegenwart frei von existenziellen Ängsten und ökonomischen Unsicherheiten. Räume und Strukturen der Zuversicht entstehen dort, wo offensive Politiken ökonomische Ungleichheit abbauen, gute Einkommen schaffen, allen einen Platz zum Lernen und Arbeiten mit Perspektive geben und leistbares, sicheres und unbefristetes Wohnen ermöglichen. Mehr Mitbestimmung für demokratische Wirkmächtigkeit, ein stabiler sozialer Rückhalt, damit Handlungsspielräume wachsen – kurz: Infrastrukturen des Gelingens, auf denen berufliche Perspektiven und Träume gedeihen, schaffen Zuversicht und erlauben Planung. 

Dafür braucht es eine aktive Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik, die junge und künftige Arbeitnehmer:innen in den Mittelpunkt stellt, einen starken Sozialstaat, der Sicherheit und Freiheit ermöglicht, und Unternehmen, die ihren Teil der Verantwortung durch Lehrausbildungsplätze, gute Arbeitsbedingungen und berufliche Weiterbildung wahrnehmen. Es braucht eine Zukunft für die Vielen, eine soziale und ökologische Transformation

Als AK Wien sind wir Mitstreiterin und Bündnispartnerin junger Menschen in ihrem Ringen um eine gerechte Gegenwart und bessere Zukunft. Demokratie lebt davon, dass Menschen an eine gestaltbare Zukunft glauben. Zuversicht ist deshalb mehr als ein persönliches Gefühl, mehr als eine Haltung – sie ist eine demokratische Ressource. Wir dürfen daher nicht weiter zulassen, dass in unserem Land die Lebensrealitäten und Zukunftserwartungen junger Menschen immer weiter auseinanderdriften. Wer Zuversicht und Demokratie stärken will, muss junge Menschen beteiligen, soziale Ungleichheit bekämpfen, berufliche Perspektiven schaffen, Infrastrukturen des Gelingens ausbauen und damit das finanzielle Fundament junger Menschen sanieren. 

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