Frauen sind in Österreich häufiger von Armut betroffen als Männer. Ein Belastungsfaktor stellt das Wohnen dar. Insbesondere alleinerziehende Frauen müssen hohe Mietkosten tragen. Die Teuerungswelle hat das Problem weiter verschärft. Preiseingriffe, ein wirkungsvolles Gender Budgeting und faire Löhne können Abhilfe schaffen.
Einkommensarmut: Höhere Betroffenheit von Frauen
Armut hat viele Dimensionen und ist schwer mit einer Zahl zu messen. Dennoch gibt uns die Armutsstatistik viele Hinweise, dass Frauen in Österreich häufiger von Armut betroffen sind. Gemessen am Einkommen sind (2024) 23 Prozent der Haushalte mit weiblichen Hauptverdienerinnen armutsgefährdet. Das bedeutet, dass sich ihr Einkommen auf weniger als 60 Prozent des verfügbaren Medianeinkommens beläuft. Unter Haushalten mit männlichen Hauptverdienern sind nur 10 Prozent armutsgefährdet. Unter alleinlebenden Pensionist:innen ist der Unterschied noch eklatanter: Der Anteil der armutsgefährdeten Frauen ist mit 32 Prozent doppelt so hoch wie der Anteil der armutsgefährdeten Männer. Die Ein-Eltern-Haushalte – großteils alleinerziehende Frauen – weisen mit einer Armutsgefährdungsquote von 36 Prozent das höchste Risiko unter den Haushalten auf, zudem ist jeder zehnte Ein-Eltern-Haushalt mit Kind(ern) erheblich materiell und sozial benachteiligt.
Ausgaben: Frauen von Preissteigerungen besonders betroffen
Ebenso wichtig wie das relative Einkommensniveau ist jedoch die Frage der Leistbarkeit von Grundbedürfnissen. Denn die Preissteigerungen der letzten Jahre waren bei den täglichen Grundbedürfnissen mitunter am höchsten. Mit den verfügbaren Daten ist es nur begrenzt möglich, Geschlechterunterschiede in der Teuerung festzustellen. Betrachtet man jedoch Haushalte von allein lebenden Frauen und Alleinerzieherinnen mit Kindern, so fällt auf, dass diese einen überdurchschnittlich hohen Anteil ihres Einkommens für ebendiese Güter ausgeben. Daraus lässt sich schließen, dass diese beiden Gruppen von der Teuerung in überdurchschnittlichem Maße betroffen waren. Während die durchschnittliche Inflation in den letzten vier Jahren bei 21 Prozent liegt, war die Teuerung bei Mieten bei 25 Prozent, bei Nahrungsmitteln bei 24 Prozent und bei der Energie (Strom, Gas, Öl, Holz, Fernwärme) sogar bei 33 Prozent. Lediglich die Preise für Mobilität stiegen weniger stark an.
Wohnkostenbelastung besonders herausfordernd
Österreichische Haushalte gaben 2024 im Schnitt 679 Euro monatlich für Wohnkosten aus (inkl. Betriebskosten, Energiekosten und ggf. Zinszahlungen für Kredite). Der Anteil der Wohnkosten am verfügbaren Einkommen lag im Durchschnitt bei 21 Prozent. Alleinerziehende Frauen müssen jedoch mit 847 Euro deutlich mehr ausgeben – ein monatlicher Unterschied von 169 Euro. Da ihr Einkommen häufig niedriger ist, beläuft sich der Anteil am verfügbaren Einkommen, den sie monatlich für Wohnkosten aufwenden müssen, auf 30 Prozent. Frauen empfinden laut SILC-Befragung ihre Wohnkosten zudem häufiger subjektiv als starke Belastung – obwohl fast 40 Prozent in sozialer Miete, also in Gemeinde- oder Genossenschaftswohnungen, wohnen (Österreichschnitt: 23 Prozent). Nur ein Viertel der Alleinerzieherinnen wohnt im Eigentum, während es im Österreichschnitt knapp die Hälfte aller Haushalte sind (48 Prozent). Unter den Alleinerzieherinnen gibt mehr als jede fünfte Befragte an, von den Wohnkosten stark belastet zu sein und 16 Prozent berichten von Mietrückständen. Damit liegt der Anteil der Betroffenen in dieser Gruppe viermal so hoch wie unter allen Haushalten.
Bei alleinlebenden Personen unterscheiden sich die Wohnkosten zwischen Männern und Frauen im Durchschnitt kaum. Eine Ausnahme bilden jedoch die Pensionist:innen: Frauen in Pension geben mit 551 Euro monatlich um 37 Euro mehr als Männer in Pension für Wohnen aus. Dabei haben sie um 40 Prozent niedrigere Pensionsbezüge zur Verfügung. Pensionistinnen müssen 28 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Wohnen ausgeben, während sich der Anteil bei den Pensionisten auf 22 Prozent beläuft.
Wohnsituation
Trotz der höchsten Wohnkostenbelastung stehen Alleinerzieherinnen besonders häufig Wohnproblemen, wie Feuchtigkeit, Dunkelheit, Lärmbelästigung, Luftverschmutzung oder Kriminalität, gegenüber. Sowohl Alleinerzieherinnen als auch Single-Frauen geben überdurchschnittlich oft an, von zumindest einem dieser Probleme betroffen zu sein.
Im sozialen Wohnbau, in dem Alleinerzieherinnen mit ihren Kindern überdurchschnittlich oft wohnen, ist zudem häufig weniger Platz. Die durchschnittliche Wohnfläche beläuft sich in Gemeindewohnungen auf 60,8 m² (pro Person: 30,2 m²), in Genossenschaftswohnungen auf 69,9 m² (pro Person: 36,2 m²). Zum Vergleich: Im Hauseigentum beläuft sich die durchschnittliche Wohnfläche auf 146,6 m² (pro Person 56,2 m²), in Eigentumswohnungen auf 86,8 m² (pro Person 43,9 m²). Im Vergleich zu einer Gemeindewohnung stehen im Hauseigentum pro Person also 86 Prozent mehr Platz zur Verfügung.
Wohnkostensteigerung verringern, um Armut zu bekämpfen
Wer einen höheren Anteil des Einkommens für Grundbedürfnisse ausgeben muss, ist besonders von der Teuerung betroffen. Vor allem die Wohnkosten sind während der letzten vier Jahre zu einer noch größeren Belastung geworden. Unsere Analyse zeigt, dass alleinstehende Frauen und Alleinerzieherinnen mit Kindern besonders stark von Armut betroffen und von ihren Wohnkosten belastet sind. Um die Lage zu verbessern, braucht es:
1. Preiseingriffe: Wohnen, Energie und Nahrung wieder leistbar machen
Im Vorjahresvergleich sind die aktuellen Inflationsraten wieder niedriger. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Preise sinken, sondern nur, dass sie weniger stark weitersteigen. Die Regierung muss die Belastung durch die hohen Kosten durch nachhaltige Preiseingriffe in den Bereichen Wohnen, Energie und Nahrung senken. Konkret braucht es eine Nachschärfung bei der Mietpreisbremse. Im Energiebereich ist der ab 1. April geltende Sozialtarif ein erster wichtiger Schritt, es braucht jedoch weitere Kostensenkungen bei Strom- und Wärmetarifen. Auch bei den Nahrungsmittelpreisen sind gezielte Preiseingriffe sinnvoll.
2. Gender Budgeting: Mehr Budget für Gleichstellung
Um die Gleichstellung in Österreich voranzutreiben, darf die Budgetkonsolidierung nicht zulasten der Frauen gehen. Im Gegenteil: Es braucht finanzielle Spielräume, um den Sozialstaat auszubauen und armutsfest zu machen. Vor allem die Bekämpfung der Kinderarmut muss, wie im Regierungsprogramm festgehalten, ein zentrales Ziel sein. Zudem muss die Daseinsvorsorge vor allen in den Bereichen Kinderbetreuung und Pflege ausgebaut werden, um die Doppelbelastung der Frauen zu verringern.
3. Faire Löhne: Gender Pay Gap schließen
Um die Armutsgefährdung von Frauen zu verringern, müssen sie für ihre Arbeit fair entlohnt werden. Arbeit, die typischerweise von Frauen verrichtet wird, wird nach wie vor geringer bewertet, obwohl sie zumeist einen immensen gesellschaftlichen Mehrwert bringt. Hier braucht es ein Umdenken. Die rasche Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie ist ein wichtiger Schritt für mehr Transparenz innerhalb von Betrieben.