Zumindest 1,3 Prozentpunkte der aktuellen Teuerung gehen auf das Konto der „Trumpflation“: Der US-Angriff auf den Iran treibt Sprit-, Heiz- und in weiterer Folge auch Wohnkosten in Österreich enorm nach oben. Vor dem Krieg wurde das Inflationsziel von nahe 2 Prozent bereits erreicht. Zwar dämpfen die Maßnahmen der Regierung von Spritpreisbremse bis Mietenbremse die Inflation im September um ca. 0,6 bis 0,7 Prozentpunkte – das reicht aber nicht. Es braucht jetzt ein weiteres Maßnahmenpaket, das die Teuerung rasch eindämmt und Österreich unabhängig von fossiler Energie macht.
Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine und dem daraus resultierenden starken Anstieg vor allem der Gas- und Strompreise erreichte Österreich Anfang 2026 wieder das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von nahe 2 Prozent. Für viele Haushalte bedeutete das zwar keine finanzielle Entspannung, denn das Preisniveau lag da fast ein Drittel höher als fünf Jahre zuvor. Aber kaum schienen die Nachwehen des Gaspreisschocks halbwegs verdaut, folgte mit dem US-Angriff auf den Iran und der Sperre der Straße von Hormus die nächste geopolitische Krise: Auf die „Putinflation“ folgte die „Trumpflation“ – die Preisspirale dreht sich erneut. So lag die Inflation im September laut Schnellschätzung der Statistik Austria bei 3,6 Prozent nach einem Wert von 3,2 Prozent im August.
Geopolitische Krisenherde heizen Teuerung an
Die Abhängigkeit Österreichs und der gesamten EU von fossilen Energieträgern aus globalen Krisenherden musste die Bevölkerung in den letzten fünf Jahren teuer bezahlen. Denn autoritäre Regenten wie Wladimir Putin oder Donald Trump destabilisieren mit aggressiver Geopolitik die Energieversorgung und Lieferketten Europas. Es rächt sich nun auch, dass der ohnehin nötige ökologische Umbau nicht noch konsequenter vorangetrieben wurde.
So trifft der kräftige Anstieg der Ölpreise Europa nun mit voller Wucht. Lag der Börsenpreis für Rohöl der Marke Brent vor einem Jahr noch bei etwa 68 US-Dollar pro Barrel, erwarteten die Märkte noch im Jänner 2026 sogar eine leicht rückläufige Preisentwicklung für heute. Nach dem US-Angriff auf den Iran im März 2026 stieg der Ölpreis allerdings sprunghaft an und liegt nach einem leichten Rückgang über den Sommer derzeit wieder bei über 100 Dollar je Barrel. Die dadurch verteuerten Spritpreise sind derzeit der stärkste Inflationstreiber in Österreich mit weitreichenden Auswirkungen in der Zukunft, da beispielsweise auch viele Mieten und Versicherungsprämien automatisch mit dem Verbraucherpreisindex erhöht werden.
Der Iran-Konflikt erhöht die Inflation in Österreich um mindestens 1,3 Prozentpunkte
Die aktuelle Teuerung durch Trumps Eskalation im Iran-Konflikt hat einen beträchtlichen Effekt. Der Preisanstieg allein bei Treibstoffen und Heizöl trug nach unserer Schätzung im September 2026 zumindest 1,3 Prozentpunkte zur Inflationsrate in Österreich bei. Selbst wenn man die indirekten Effekte durch höhere Kosten auf den Transport, Dünger sowie – noch in geringerem Ausmaß – Gas und damit Strom ausspart, beträgt der Effekt also etwa ein Drittel der gesamten Teuerung. Ohne Trumpflation wäre die Inflation damit beim EZB-Zielwert von nahe 2 Prozent.
Österreich kann die globalen Energiepreise nicht steuern und die Quelle der importierten Teuerung kaum beeinflussen. Klassische Instrumente wie Zinspolitik liegen in der Hand der Europäischen Zentralbank, sind aber gegen externe Preisschocks ohnehin nicht sinnvoll. Steuersenkungen stoßen rasch an Budgetgrenzen, entlasten ungezielt und schaffen Probleme beim Auslaufen der Maßnahme. Doch die nationale Wirtschaftspolitik muss nicht hilflos zuschauen.
Maßnahmen der Regierung wirken gegen importierte Inflation um 0,6 bis 0,7 Prozentpunkte
Die Bundesregierung hat mit gezielten Preiseingriffen versucht, die importierte Teuerung abzufedern und den Durchmarsch durch den Warenkorb zu bremsen. Ein zentrales Instrument ist dabei die Spritpreisbremse mit einer Margenbegrenzung, die auf überhöhte Gewinnmargen von Ölkonzernen auf dem Rücken der Konsument:innen abzielt. Die Maßnahme war innerhalb der Koalition umkämpft, wurde aber von der unabhängigen Regulierungsbehörde E-Control als effektiv bewertet. Im Bereich der Wohnkosten wurde in die Mieten eingegriffen, indem Mieterhöhungen gestaffelt begrenzt wurden. Zusätzlich wirkt die Reduktion der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel direkt preissenkend und wird laut Einschätzung der Bundeswettbewerbsbehörde auch an die Kund:innen weitergegeben. Ebenfalls bedeutsam ist die Senkung der Elektrizitätsabgabe sowie der Sozialtarif beim Strom, der einkommensschwache Haushalte vor den vollen Auswirkungen der stark gestiegenen Energiepreise schützen soll.
Nach unserer Schätzung reduzieren diese und weitere von der Regierung gesetzte Maßnahmen die Inflationsrate im September 2026 um etwa 0,6 bis 0,7 Prozentpunkte. Die verschärfte Spritpreisbremse mit einer Margenbegrenzung ab Oktober 2026 dürfte die Inflation um weitere 0,2 Prozentpunkte bremsen. Gleichzeitig gab es heuer einige Abgaben- und Gebührenerhöhungen, die den preisdämpfenden Effekt der öffentlichen Hand reduzieren. Im kommenden Jahr laufen noch dazu temporäre Maßnahmen wie die massive Senkung der Elektrizitätsabgabe aus, was zusätzlichen Auftrieb bei der Teuerungsrate bedeutet.
Weiteres Maßnahmenpaket gegen Inflation ist unerlässlich
Jetzt ist der wirtschaftspolitisch richtige Zeitpunkt, um die erneut steigende Inflation zu bekämpfen. Deshalb braucht es jetzt ein weiteres koordiniertes Paket aus akuten, abfedernden und präventiven Maßnahmen gegen die Teuerung. Akute Maßnahmen wie temporäre Preiseingriffe können die Inflationsrate direkt reduzieren. Abfedernde Maßnahmen können die Auswirkungen der Inflation lindern, indem besonders stark betroffene Haushalte gezielt unterstützt oder entlastet werden, etwa durch Sondertarife bei Energie. Kommen sie Unternehmen zugute, sollten sie gleichzeitig indirekte Zweitrundeneffekte verhindern, indem sie an eine Zurückhaltung bei Preiserhöhungen gekoppelt werden. Zur Gegenfinanzierung könnten etwa Übergewinnsteuern für Krisengewinner dienen.
Essenziell und unentbehrlich sind allerdings auch präventive Maßnahmen, die den sozial-ökologischen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft vorantreiben und uns unabhängiger von fossilen Energiequellen aus instabilen Weltregionen machen. Auch ohne kriegerische Auseinandersetzungen war die Abhängigkeit von russischem Gas oder saudischem Öl nur eine trügerische Sicherheit. Der „Putinflation“ und „Trumpflation“ entflieht Österreich nur, wenn es endlich unabhängig von fossilen Brennstoffen wird und auf die eigenen erneuerbaren Energien setzt.