Vermögen sind in Österreich sehr ungleich verteilt. Mit der Digitalisierung, vornehmlich durch die wachsende Bedeutung von Technologieunternehmen und deren vergleichsweise starker Finanzmarktorientierung, verschärft sich diese Ungleichheit weiter. Da Aktienvermögen bei den reichsten fünf Prozent der Bevölkerung konzentriert sind, profitieren diese ...
Im Oktober nutzte die EU Kommission erstmalig ihr im Zuge der Finanzkrise erlangtes Recht, eine nationale Regierung zur Überarbeitung ihres Budgetplans für das kommende Jahr aufzufordern. Auslöser war der Plan der italienischen Regierung, das Maastricht-Defizit von voraussichtlich 1,8 heuer auf 2,4 Prozent des BIP 2019 auszuweiten. Parallel dazu st...
Wie gut können Personen ihre eigene Vermögensposition einschätzen? Bei dieser Frage geht es nicht nur um Faktenwissen, sondern die Antwort darauf hat Auswirkungen auf politische Diskussionen über Umverteilung von Vermögen und Vermögenssteuern. Daten zeigen: Personen am unteren Ende der Vermögensverteilung kennen die eigene Vermögensposition wesentl...
Überlange Arbeitszeiten führen zu Übermüdung, Erschöpfung und Unkonzentriertheit bei den ArbeitnehmerInnen. Das verringert ihre Produktivität; bei zwölf Stunden Arbeitszeit geht ihr zusätzlicher Output sogar gegen Null. Zudem steigt das Unfallrisiko ab der neunten Stunde exponentiell. Diese Nachteile der Verlängerung der Höchstarbeitszeit schlagen ...
In unseren Lehrveranstaltungen fragen wir, nachdem wir die Daten zur sehr ungleichen Vermögensverteilung in Österreich präsentiert haben, was die Studierenden denn so denken: Sind die ÖsterreicherInnen für eine Besteuerung von hohen Vermögen? Meist glauben fast alle, dass es eine Mehrheit gegen Vermögenssteuern gibt. Doch alle Meinungsumfragen zeig...
Die Notstandshilfe zu streichen und Langzeitarbeitslose in die Mindestsicherung zu schicken, trifft die Ärmsten und die Mittelschicht. Der arbeitslosen Mittelschicht droht der Vermögenszugriff, während die meisten Arbeitslosen ohnehin kaum nennenswertes Vermögen haben. Die Hälfte der Arbeitslosen hat weniger als 2.200 Euro Nettovermögen.
Der deutsche Mindestlohn – eingeführt aufgrund der niedrigen und sinkenden Abdeckung durch Kollektivverträge – hat die Arbeitsbedingungen und die Arbeitszufriedenheit von Beschäftigten im Niedriglohnsektor positiv beeinflusst. Nach seiner Einführung stiegen die Stunden- und Bruttolöhne bei gleichzeitig etwas verringerter Arbeitszeit. Beschäftigte, ...
Kaum ein Thema ist so geeignet, um manche ExpertInnen in Weltuntergangsstimmung zu bringen, wie der Mindestlohn. Gerade bei diesem Thema wird wissenschaftliche Objektivität, differenzierte Debatte und sogar empirisches Datenmaterial fallen gelassen, nur um zu bestätigen, dass die reale Welt nach der banalsten Textbuch-Ökonomie funktioniert. Würde e...
Die Rhetorik des Rechtspopulismus gegen Eliten und für "unsere Leute" widerspricht seiner wirtschaftspolitischen Praxis - diese untergräbt die ökonomische und soziale Sicherheit der Mittelschicht.
In Deutschland blieb die Ungleichheit der Einkommen ab Mitte der 2000er stabil. Der Grund sind geringere Vermögenseinkommen; die Ungleichheit der Arbeitseinkommen stieg.
Die GegnerInnen von Vermögenssteuern müssen auf ein Referendum in der Schweiz 1922 zurückgreifen, um zu behaupten, dass die Menschen keine Vermögenssteuern wollen. Tatsächlich ist heute eine Mehrheit für Vermögenssteuern.
Für Thomas Piketty sind Vermögenssteuern nicht nur eine Frage des ökonomischen Hausverstandes, sondern auch der Absicherung unseres demokratischen Systems.
Die Financial Times versuchte Pikettys Zahlen in Zweifel zu ziehen; tatsächlich macht sie aber selbst gravierende Fehler in ihren Berechnungen. Pikettys Forderung ist aufrecht: Vermögenssteuern sind der richtige Weg.
Während in den USA akzeptiert wird, dass höhere Staatsausgaben eine Multiplikatorwirkung in der Wirtschaft entfalten, dass die Inflation niedrig bleibt, auch wenn die Notenbank Geld druckt, und dass Staatsschulden nur mit minimal geringerem Wachstum einhergehen, ist in Europa hingegen das Wissen, wie mit einer tiefen Krise umzugehen ist, verloren g...
Der Klassenbegriff ist in der modernen österreichischen Gesellschaft keineswegs bedeutungslos geworden: ArbeitnehmerInnen haben vor allem Arbeitseinkommen, während Gewinn- und Zinseinkommen bei UnternehmerInnen konzentriert sind.
Immer wieder taucht in den Medien die Befürchtung auf, dass eine Vermögenssteuer die Mittelschicht stark treffen würde. Demgegenüber stehen die nun auch für Österreich vorhandenen Daten, die zeigen, dass die Vermögen extrem konzentriert sind. Wie sind diese zwei Dinge in Einklang zu bringen? Dazu muss zunächst geklärt werden, wer mit „Mittelstand“ ...
Die Ungleichheit in Österreich steigt, und den Menschen ist das bewusst: Eine Umfrage zeigt, dass sich die Menschen eine breite Mittelschicht wünschen. Zugleich sehen sie diese aber mehr und mehr wegbrechen. Über 10 Jahre hat sich somit der Unterschied zwischen Wahrnehmung und Wunschvorstellung von der Gesellschaft stark vergrößert. Diese Daten ent...
Jedes Jahr machen Wettbewerbs-Rankings Schlagzeilen und lösen politische Debatten um die Sicherung des Standortes aus. Der seriöse Nadelstreif der Organisationen, die Rankings durchführen, gemeinsam mit dem sportlichen Gewand der Länderlisten täuschen allzu leicht darüber hinweg, dass sie mehr von Willkür als von wissenschaftlicher Seriosität geprä...
Sind die Deutschen und ÖsterreicherInnen tatsächlich ärmer als die ZypriotInnen und MalteserInnen? Die ersten vergleichbaren Daten über privates Haushaltsvermögen in 15 Ländern der Eurozone von der EZB führten zu diesem Schluss in der medialen und politischen Debatte. Die jeweiligen Durchschnittsvermögen sind 195.000 und 265.000€, sowie 671.000 und...
Die Europäische Zentralbank publizierte am 9.April die Daten zur Vermögensverteilung für sämtliche Eurozonen-Länder, die vom Household Finances and Consumption Survey abgedeckt sind. Dabei zeigt sich, dass Vermögen in allen (teilnehmenden) Euro-Ländern sehr ungleich verteilt ist. Ganz besonders gilt dies für Österreich.
Neue Daten für Österreich belegen, dass die Vermögen extrem ungleich verteilt sind. 50% der Haushalte haben zusammen weniger als 5% des Gesamtvermögens. Die reichsten 5% besitzen knappe 50% aller Vermögen. Beim Vermögen, im Gegensatz zum Einkommen, hat die Mittelschicht nur einen schmalen Teil.
Miriam Rehm ist Professorin für empirische Ungleichheitsforschung am Institut für Sozioökonomie der Universität Duisburg-Essen. Sie ist Mitglied des Österreichischen Fiskalrats.